Dagegen wäre ein Zwang zur unbefristeten Übernahme von Ausgebildeten
überflüssig und schädlich. Für einen Tarifvertrag zur Förderung der
Ausbildungsreife schwächerer Jugendlicher sehen wir eine gewisse
Chance“, sagte Dr. Eduard Kulenkamp, Verhandlungsführer von M+E Mitte, anlässlich der 2. Sondierungsgespräche mit der IG Metall. Erstmals nahm an diesen Gesprächen von M+E Mitte auch der Verband der Metall- und Elektro-Industrie in Thüringen e. V. (VMET) teil.
Die unbefristete Übernahme von Auszubildenden sei bei 76 Prozent spätestens nach der im Tarifvertrag verankerten Ein-Jahres-Frist die Regel. Die übrigen 24 Prozent der Jugendlichen begännen großenteils ein Studium oder wechselten von sich aus den Arbeitgeber. Ein Zwang zur unbefristeten Übernahme würde hier gar nichts helfen. Die Unternehmen bildeten auch weit über ihren Bedarf hinaus aus: 37 Prozent der Ausbildungsplätze würden so zusätzlich zur Verfügung gestellt. Ein Übernahmezwang würde hier unmittelbar dazu führen, dass diese Ausbildungsplätze weitgehend nicht mehr angeboten würden.
Auch das Maßnahmenpaket zur Nachwuchssicherung der M+E-Unternehmen und ihrer Arbeitgeberverbände sei gewaltig. „Um die fähigsten Menschen für unsere Branche zu rekrutieren, betreiben wir seit über 20 Jahren eine intensive, ständig erweiterte Nachwuchs-Kampagne mit zahlreichen Direktinformationen an Schulen, Events und auf Internetplattformen sowie in sozialen Netzwerken. Sehr viel mehr können wir hier kaum noch tun“, so der Verhandlungsführer.
Einen erfolgsversprechenden Ansatz sieht Kulenkamp darin, schwächere Jugendliche zur Ausbildungsreife zu führen. Die Bildungswerke der Arbeitgeberverbände hätten in der Arbeit mit schwächeren Jugendlichen eine Menge und langjährige Erfahrung und könnten auf Projekte mit Erfolgsquoten von teilweise über 50 Prozent verweisen. „Hier sehen wir Chancen, dass wir tarifpolitisch gemeinsam etwas hinbekommen“.
Hintergrund
Die Nachwuchssicherung der M+E- Unternehmen und ihrer Arbeitgeberverbände
Auf zahlreichen Ausbildungs-Infotagen und Messen unterstützen wir unsere Mitgliedsunternehmen bei ihrer Nachwuchsrekrutierung. Um die Jugendlichen zur Berufsorientierung in Richtung M+E-Industrie anzuregen, brachten unsere „Infobusse“ 2011 an über 200 Einsatztagen die High-Tech-Berufswelt der M+E-Branchen an über 20.000 Schüler eines Jahrgangs. Und schließlich bieten wir über 1.000 duale Studiengängern einen Arbeitsplatz. Gerade online geschaltet wurde eine neue Ausbildungs- und Praktikantenplatzbörse ME-Ausbildungsplatz.de und ein neues Schülerportal IchhabPower.de, mit der die Metall- und Elektro-Unternehmen in ganz Deutschland ihr internet-basiertes Netzwerk für Schulen, Jugendliche und Unternehmen vervollständigten.
Die “Arbeitsgemeinschaft M+E MITTE”M+E Mitte spricht und handelt für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Hessens (HESSENMETALL), der Pfalz (PFALZMETALL), Rheinland- Rheinhessens (vem.die arbeitgeber) und des Saarlandes (ME Saar). In diesen drei Bundesländern umfasst die M+E-Industrie rd. 1.400 Unternehmen mit 400.000 Beschäftigten“. M+E MITTE” verhandelt mit dem tarifpolitischen Verhandlungspartner aller vier Verbände: der IG Metall Bezirksleitung Frankfurt. Die vier Arbeitgeberverbände treten seit 1995 als Verhandlungsgemeinschaft für die Tarifverhandlungen auf und bauten diese 2001 zur “Arbeitsgemeinschaft M+E MITTE” aus. In der Tarifrunde 2012 erstmals einbezogen ist der Verband der Metall- und Elektro-Industrie in Thüringen e. V. (VMET)